Speed Reading lernen: Nutzen und Grenzen

Was ist Speed Reading, woher kommt es - und funktioniert es wirklich? Nutzen und Grenzen des Speed Reading kurz und anschaulich erklärt.

Woher kommt Speed Reading?

Am Anfang des Speed Reading stand der Erste Weltkrieg: Strategen der britischen Royal Air Force gelang es, die optische Wahrnehmung ihrer Kampfflieger so zu trainieren, dass sie selbst in einer 500stel Sekunde sehr ähnliche Flugzeugtypen – Freund oder Feind – auseinanderhalten konnten. Sehr bald kam der Gedanke auf, diese blitzschnelle Wahrnehmungsfähigkeit aufs Lesen zu übertragen.

Speed Reading lernenDer Begriff “Speed Reading” wurde erstmals von der US-Amerikanerin Evelyn Wood etabliert, die seit 1959 Techniken für schnelles Lesen trainierte, allerdings unter dem Firmennamen “Reading Dynamics”. Wood wurde u.a. dafür berühmt, dass sich US-Präsident Jimmy Carter nach ihrer Methode schulen ließ; auch John F. Kennedy wird oft mit Speed Reading in Verbindung gebracht; bei ihm handelte es sich jedoch um ein “Naturtalent” des sehr schnellen Lesens.

Mit dem erstmals 1971 veröffentlichten Buch “Speed Reading” des Engländers Tony Buzan wurde der Begriff weltweit populär. Bis heute stellt dieses Werk die wichtigste Referenz für die Techniken des “Speed Reading” dar. Gemeint sind damit meist aber allgemein Techniken, die einem schnelleren Lesen dienen, nicht nur das Buzan-typische “Speed Reading”.

Speed Reading nach Tony Buzan

Buzans Speed Reading-Methode verspricht Lesegeschwindigkeiten von 1.000 Wörtern pro Minute oder mehr, und das bei einem sehr guten Textverständnis. Die wichtigsten Speed Reading-Techniken, mit denen dieses Ziel erreicht werden soll, basieren auf schnellen, slalom- oder zickzackförmigen Bewegungen des Auges über das Textfeld anstelle der gewohnten Leserichtung von links nach rechts, Zeile für Zeile.

Ermöglicht wird dieses Speed Reading angeblich durch die Verwendung einer stabförmigen Lesehilfe (Stift, Stricknadel) zur besseren Blickführung und die “Erweiterung des visuellen Wahrnehmungsvermögens”, vor allem des peripheren Sehens. Damit soll das verschwommene Sehen am Rande der Augenwinkel stärker in den Leseprozess einbezogen werden, z.B. um mehrere Zeilen oder ganze Textblöcke auf einmal zu erfassen. Außerdem wird empfohlen, ein Metronom zu nutzen, das mit lauten Taktschlägen den Rhythmus der Augenbewegungen stark beschleunigen soll.

Zum Kern der Buzanschen Speed Reading-Techniken zählen ferner das “Durchsehen” eines Textes im Hinblick auf eine gesuchte Einzelinformation sowie das “Überfliegen” vor dem eigentlichen Lesen, um einen Überblick über den Text zu gewinnen.

Ein wichtiger Bestandteil des Speed Reading nach Tony Buzan ist natürlich auch das von ihm entwickelte MindMapping, mit dessen Hilfe der Lesestoff anschaulich und logisch im Gedächtnis verankert werden soll. Dies betrifft aber schon nicht mehr den Leseprozess selbst, sondern die anschließende Aufbereitung.

Improved Reading und Speed Reading im Vergleich

Wichtige Elemente von Buzans Speed Reading gehören längst zu den Grundannahmen der modernen Lese- und Gehirnforschung und decken sich mit dem etwa zeitgleich in Australien entwickelten Improved Reading: So gehen auch wir davon aus, dass beim üblichen Lesetempo unser Gehirn stark unterfordert wird (Gedankenabschweifen als typische Folgeerscheinung) und dass ein optimales Zusammenspiel von Auge und Gehirn wesentlich über ein Training der Blickprozesse ermöglicht wird.

Worin unterscheidet sich unser Improved Reading-Ansatz von Speed Reading?

1.) Wir glauben nicht, dass gutes Textverständnis auf der Basis des peripheren Sehens erzielt werden kann, also durch Erfassen von mehreren Zeilen oder ganzen Textblöcken auf einmal. Klares und deutliches Sehen, das wir zur Worterkennung benötigen, ist anatomisch nur im fovealen und parafovealen Bereich von ca. 5° möglich. Alles, was darüber hinausreicht, lässt sich durchaus zum “Herausfischen” von Einzelinformationen und für einen groben Überblick verwenden (wir nennen das “Scanning” bzw. “Preview” oder “Vorausschau”) – nicht aber, um einen Text wirklich gut zu verstehen.

In diesem Sinne halten wir auch das bei Tony Buzan und anderen Speed Reading-Anbietern häufig zu findende Versprechen, dass Lesegeschwindigkeiten von 1.000 Wörtern pro Minute (WpM) von jedem und bei (sehr) gutem Verständnis leicht erreicht werden könnten für stark übertrieben. Realistisch ist auf Basis unserer langjährigen Erfahrungen eine Verdopplung des Lesetempos und damit in der Regel 400-800 WpM, im Einzelfall (!) auch über 1.000 WpM. Und das finden wir – und unsere Kursteilnehmer – schon so sensationell und ermutigend, dass wir unnötige Enttäuschung oder Frustration gar nicht erst risikieren wollen.

Metronom und Zeigestock setzen wir im Gruppentraining bewusst nicht ein, um 1.) der Individualität des Lesens gerecht zu werden und 2.) das Vertrauen in die eigene Wahrnehmungsfähigkeit zu stärken, unabhängig von äußeren “Krücken”. Wir arbeiten stattdessen mit dem patentierten Rate Controller, der die Teilnehmer für die Dauer des Kurses individuell “abholt” und fordert.

2.) Wenn viele Speed Reading-Anbieter mit den Erfolgsgeschichten außergewöhnlicher Leser werben, die angeblich im vier- oder gar fünfstelligen WpM-Bereich lesen können, dann empfinden wir das als wenig hilfreich für das Vertrauen in die breite Umsetzbarkeit besserer Lesetechniken.

Wir trainieren das, was von ausnahmslos jedem umgesetzt werden kann und was auch die schon sehr guten Leser fordert: schnelle, breit und vorwärts ausgerichtete, vollständige Blickprozesse, damit wir den scharfen Sehbereich auch beim Lesen voll ausschöpfen. Dazu gehört,

  • mehrere Wörter gleichzeitig zu erfassen (“Chunking”-Technik),
  • Regressionen (Rücksprünge) zu vermeiden
  • und das mentale Mithören zu reduzieren.

Diese Techniken beinhalten in sich gar kein Weglassen des Textes und stellen nicht das verschwommene periphere Sehen in den Mittelpunkt. Sie bedeuten einfach nur das Weglassen überflüssiger “Lesebremsen” aus der Grundschule.

3.) Wie lernt man das? Nur durch Training. Ein Vergleich der beiden einschlägigen Bücher zu den jeweiligen Ansätzen zeigt: In Tony Buzans “Speed Reading” werden zwar viele Punkte richtig benannt (Wortgruppenerfassen, Regression, Subvokalisieren, Wortschatz, Absätze u.a.), aber es wird nicht systematisch trainiert. Im “Buch zum Kurs” von Improved Reading (“Schneller lesen – besser verstehen”) finden Sie ein ausgeklügeltes Trainingssystem, wo auf jeder Stufe des Veränderungsprozesses Theorie, Praxis und methodische Empfehlungen detailliert ineinandergreifen – und wo Sie Ihren Fortschritt ständig systematisch messen können. Genau diese Unterschiede können Sie auch im Bereich der Live-Veranstaltungen feststellen: Oft erfahren Sie in Präsenzseminaren einen oder mehrere Tage lang viel spannende Theorie über Lesetechniken und die wunderbaren Potenziale des Gehirns.

Aber wenn Sie wirklich eine nachhaltige Veränderung Ihrer Lesegewohnheiten wünschen – dann achten Sie auf einen hohen Praxisanteil und regelmäßige, schwarz auf weiß vergleichbare Testergebnisse. Erfahren Sie hier mehr über das Improved Reading-Training.

Comments are closed.